So wie sich der Zentralort Welver heute präsentiert, ist er der jüngste Ort im Gebiet der Großgemeinde. Das, was im Westen vom Salzbach, im Süden von einer langgezogenen Anhöhe und im Nordosten vom großen Welveraner Wald eingegrenzt wird, erblickte offiziell erst am 01. April 1958 das Licht der Welt. Bis dahin existierten zwei unabhängige Gemeinden Meyerich und Welver (Kirchwelver), die durch den Bahnhof Welver und durch die Zugehörigkeit zu den gleichen Kirchengemeinden in Verbindung standen.
Die Geschichte des heutigen Zentralortes Welver ist auch die Geschichte der ehemals eigenständigen Gemeinden Meyerich und Kirchwelver. Die Vergangenheit dieser Dörfer ist durch die Fusion untrennbar mit der von Welver verbunden und kann somit nur gleichzeitig geschildert werden.
Dass der Ort sich zu dieser gemeinsamen Tradition bekennt, wurde 1979 untermauert, als Welver sein 800-jähriges Bestehen feierte. Belegt wurde die lange Geschichte durch eine Urkunde des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg, die er am 12. März 1179 ausstellte. Hierin wird unter den Zeugen eines Tauschgeschäfts der Edelherr "Wikbold von Welver" genannt. So war die Zusammenlegung Ende der 50er Jahre die logische Konsequenz aus der jahrhundertelangen Geschichte. Schon wenige Jahre später zeigte sich, dass sie auch politisch sinnvoll war. Bei der kommunalen Neuordnung 1969 wurde Welver zum Zentralort der neuen Großgemeinde, die sich aus insgesamt 21 Ortsteilen zusammensetzt. Seither hat sich die "Börde-Metropole" zu einem echten Zentrum entwickelt. Gemeinschaftseinrichtungen wurden unter großem Finanzaufwand gebaut, umfangreiche Siedlungsgebiete entstanden. Eine Ortskernsanierung verwandelte das Gesicht des Ortes. Mit dem Bau eines neuen und schönen Rathauses sowie eines großen Rathausplatzes wurde auch äußerlich der Anspruch unterstrichen, Zentrum der Großgemeinde zu sein.
Während sich im nördlichen Bereich des Ortes Welver die Bebauung um das Kloster Welver ausdehnte, entwickelte sich im Süden das Dörfchen Meyerich und wäre nicht Mitte des 19. Jahrhunderts die Eisenbahn gebaut worden, so existierten möglicherweise noch heute zwei unabhängige Dörfer. Die Bahnlinie, die zwischen Kirchwelver und Meyerich hindurchführte, bewirkte ein rasches Zusammenwachsen der beiden Nachbarn, die dann offiziell zum 01. April 1958 zur neuen Gemeinde Welver zusammengelegt wurden. Ausschlaggebend bei der Namensgebung war dabei keineswegs die Größe der beiden Dörfer, sondern vielmehr der überörtliche Bekanntheitsgrad des Klosters Welver. Zudem hatte sich die Bahnhofsbezeichnung bereits an den Namen des Kirchdorfes angelehnt. Doch auch mehr als eine Generation nach dem richtungsweisenden Beschluss der beiden Gemeinderäte halten zumindest die Bewohner der alten Ortskerne, der heutigen Randbezirke von Welver, immer noch einen gewissen Lokalpatriotismus hoch. Offenkundig wurde dieses, als vor einigen Jahren am Landwehrkamp ein Ortseingangsschild mit dem Hinweis "Meyerich - Gemeinde Welver" auftauchte. Der Name Meyerich bleibt damit auch offiziell der Nachwelt erhalten.
In der Tat kann der Name Meyerich auf ein beträchtliches Alter zurückblicken. Bereits in frühen mittelalterlichen Urkunden wird "Haus Meyerich" als "castrum", als ein befestigter Burgsitz, erwähnt. Vermutlich hat dort zuerst ein Rittergeschlecht "de Medrike" oder "Medrike" gesessen. Das Rittergeschlecht "de Medrike", das im Dienstverhältnis zum Erzbischof von Köln stand, war ein freies Adelsgeschlecht und verfügte über freien Besitz. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts starb das Geschlecht aus. Die Burg und der Hof mit den Ländereien und der Fischerei im benachbarten Salzbach wurden dem Kölner Erzbischof vermacht. Dieser vergab den Besitz als Dienstlehen an verschiedene Familien. So werden nach den Erstbesitzern, den "Herren von Mederyke", die folgenden Familien in der weiteren Geschlechterfolge genannt: von Hertvelde, genannt Glassen, Lappe, Plettenberg, Dinklage, und Plettenberg-Schwarzenberg.
Um 1450 ist mit großer Wahrscheinlichkeit auf "Haus Meyerich" der wohl berühmteste Sohn der Börde, der spätere Deutschordensmeister von Livland, Wolter von Plettenberg, geboren worden. 1502 besiegte er in der Schlacht von Pleskau Zar Iwan III. Hierdurch rettete er für mehr als ein Menschenalter die Selbständigkeit seines Ordens und konnte dem Land für viele Jahrzehnte den Frieden bewahren. Ein Abguss seines Standbildes am Ordensschloss zu Riga befindet sich im Burghofmuseum in Soest. Eine Büste dieses bedeutenden Ordensmeisters ließ Ludwig I. von Bayern auch in der Walhalla bei Regensburg aufstellen.
Im Bördekataster von 1685 ist Meyerich als eigenständiges Dorf geführt. 1843 hatte das Dorf eine Ausdehnung von 4,73 Quadratkilometern und eine Einwohnerzahl von 352 Personen. Bei der Zusammenlegung war die Einwohnerzahl auf fast 1800 angewachsen. Welver verfügte zu dieser Zeit nur über etwa ein Drittel der Bevölkerung.
Der seit uralter Zeit in Meyerich gelegene Pfarrhof gibt zu der Vermutung Anlass, dass bereits im 8. Jahrhundert eine dem Schutz des Heiligen Albanus anvertraute Holzkirche in Meyerich gestanden hat, die nach der Vernichtung durch Zerstörung, Brand oder Verfall als Eigenkirche der Herren von Welver in Kirchwelver neu errichtet wurde. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine Verfügung des Kölner Erzbischofs, dass die Welveraner Pfarrer in "Mederike" wohnen sollten, wo sie von je her ihre Wohnung gehabt hätten. Bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts hatte der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde somit seine Wohnung in Meyerich.
Die Bezeichnung "Kirchwelver" ist tatsächlich erst im 19. Jahrhundert entstanden. Als nämlich 1850 die Eisenbahnlinie Hamm-Soest und 26 Jahre später die Strecke Dortmund-Soest in Betrieb genommen wurden, nannte sich die politische Gemeinde des Kirchdorfs nun "Kirchwelver", um sich deutlicher vom "Bahnhof Welver" zu unterscheiden, dessen Gesamtbereich zu Meyerich gehörte.
Das Dörfchen, an der nordöstlichen Spitze des Zentralorts gelegen, ist vom größten zusammenhängenden Waldgebiet der Soester Börde umgeben. Schlendert der Besucher durch die schmalen Gassen, entlang der Fachwerkhäuser, vorbei an den beiden Kirchen, längs der liebevoll gepflegten Gärten, dann begleitet ihn das Rauschen des Waldes auf seinem Weg. Den Kirchwelveranern ist dies längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Ebenso wie es für sie selbstverständlich ist, auf historischem Boden zu leben. Dabei ist der Ursprung der Besiedelung Kirchwelvers immer noch nicht definitiv geklärt. Wahrscheinlich hat bereits weit vor dem 12. Jahrhundert ein edles Geschlecht hier eine Stammburg besessen. Die Edelherren von Welver wohnten auf der "Welvereburg", wie sie in verschiedenen Urkunden genannt wird. Sie lag im Bereich des heutigen Klosterhofs und Klostergartens und wird vermutlich schon damals von einem der hier noch vorhandenen Gräften und Teiche schützend umgeben worden sein. Wikbold von Welver war offensichtlich der letzte männliche Vertreter des Edelherrengeschlechts. Seine Tochter hat vermutlich den Soester Vogt Eberhard (1178-1210) geheiratet. Auf diese Weise gelangte die Welvereburg und das Patronat über die Kirche an die Soester Vögte, deren letzter, Vogt Walther, 1240 den Grundstein zur Errichtung eines Zisterzienserinnen-Klosters legte, indem er und seine Gemahlin Sophia ihre Güter in Welver, Klotingen und Scheidingen an das Kloster Ramsdorf übertrugen. Von Ramsdorf aus gründeten die Nonnen in Welver ein neues Kloster ihres Ordens, das Erzbischof Konrad 1242 bestätigte. Die Geschichte Kirchwelvers ist eng verknüpft mit der Geschichte des Klosters. Erste Äbtissin war Helika, die Schwester des Vogts Walther. Viele Schenkungen verschafften dem Kloster großen Reichtum. Im Bördekataster von 1685 werden insgesamt 51 Höfe aus der näheren Umgebung als Klostereigentum angegeben.
Während die Stadt Soest sich 1531 zur Lehre Luthers bekannte, blieben die Verhältnisse in Welver für lange Zeit verworren. Das Kloster blieb katholisch, die St. Albanus-und-Cyriakus-Kirche wurde der evangelischen Gemeinde unterstellt.
Die Äbtissin Maria-Elisabeth von Aldebruck ließ 1697-1700 eine neue Kirche dicht neben der alten bauen, die nach Bernhard von Clairvaux benannt wurde. Das Wappen der Äbtissin befindet sich immer noch über dem Säulenportal des alten Klostergebäudes. Auch dieses Gebäude ist unter der Regie von Maria-Elisabeth von Aldebruck entstanden. Der Besucher Kirchwelvers erhält auch heute noch einen Eindruck von der früheren Größe und Macht des Zisterzienserinnen-Klosters, sind doch die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude aus jener Zeit zum weitaus größten Teil erhalten. Nach fast 570-jährigem Bestehen wurde das Kloster 1809 schließlich aufgelöst. Zwei Jahre zuvor hatte der Klosterkonvent auf Anregung des Klosterorganisten Bernhard Honcamp in aller Form eine katholische Pfarrgemeinde gestiftet, zu der auch die von ihm geleitete Schule im Back- und Brauhaus des Klosters gehörte. An das über 60-jährige Wirken Honcamps als Erzieher und Musikfreund erinnert der Grabstein Honcamps auf dem katholischen Friedhof sowie ein Honcamp-Denkmal an der Bernhard-Honkamp-Grundschule.
Das 1711 erbaute Back- und Brauhaus des ehemaligen Klosters dient heute dem Heimatverein als Heimathaus. Die heimatkundliche Sammlung in dem historischen Gebäude ist Anziehungspunkt für viele Besucher geworden.
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