Der Fund eines Steinbeils in den letzten Jahren beweist, dass Recklingsen bereits in der Jugendsteinzeit (um 3000 v. Chr.) besiedelt war.
Die Ortsbezeichnung leitet sich vermutlich von dem althochdeutschen Frauennamen Richild ab. Die erste eindeutige urkundliche Erwähnung Recklingsens stammt aus dem Jahr 1245, als dem
Soester Walburgis-Kloster "bona in Rikelinchusen prope Wevere sita", also Güter in Recklingsen
bei Welver übertragen wurden. Im 13. Jahrhundert erhält neben dem Walburgis-Kloster immer wieder auch das Kloster Welver Grundbesitz in Recklingsen.
Recklingsen besteht aus dem namengebenden Dorfteil und der Nehlerheide. Zu dem Dorf, einer typischen Streusiedlung, gehören außerdem der Osthof und die Höfe im Loh und Westen. Sie werden
ebenfalls in Urkunden aus dem 13. Jahrhundert erwähnt.
1381 nennt eine Urkunde eine Kapelle mit Friedhof in der Dorfmitte. An letzteren erinnert noch der Flurname "Auf dem Kirchhof".
Auf das Frei- oder Femgericht bezieht sich die Flurbezeichnung "Am Gericht" beim Lohhof. Den Ort des Gerichts zeigt noch immer die die uralte Linde, die der Volksmund nur "Femelinde"
nennt, an. Freigerichte hatten ihre Blütezeit in Westfalen im 14. und 15. Jahrhundert. Den Vorsitz hatte der Freigraf, der zusammen mit mehreren Schöffen das Urteil fällte. Bauern, die
persönlich frei waren, konnten Schöffen sein. Das Freigericht durfte auch zum Tod durch den Strang verurteilen. Darauf verweist die Recklingser Flurbezeichnung "An der Galgenstraße". Noch
das Bördekataster von 1685 nennt die Verpflichtung eines Recklingser Bauern: "Wenn das Freigericht zu Recklingsen besessen wird, muß Rüsse präsentieren 1 Maaß Weins, 1 gebraten Huhn, ein
4 Pfd. Brot".
Das Bördekataster von 1685 führt für Recklingsen 15 Bauern in der Reihenfolge ihrer Größe mit ihren Grundherrn, ihrem Land und ihren Abgabeverpflichtungen auf, aber auch 21 sozial niedriger eingestufte Recklingser, die in der Nähe des Klosters Welver wohnten und zum Teil für dieses arbeiteten. Darunter waren: mehrere Schuhmacher, Zimmerleute, Arbeiter und ein Küster.
Die Nehlerheide ist der jüngste Teil Recklingsens. Die große Nehler Heide war ursprünglich Gemeindeeigentum, das von den Gemeindemitgliedern genutzt werden konnte. Es wurde ab Ende des 18. Jahrhunderts in einem konfliktreichen Verfahren aufgeteilt vor allem zwischen Haus Nehlen, dem Osthof und Recklingser Bauern. Dabei erhielten Brinksitzer ein Stück Land in schmalen Parzellen. Sie waren Kleinstbauern und zugleich Weber, Zimmerleute, Schneider und Tagelöhner bei den großen Bauern.
Mit seinen Ortsteilen hatte Recklingsen 1868 287 Einwohner, 1881 273 Einwohner und 1905 nur noch 224 Einwohner. Der dramatische Rückgang der Recklingser Bevölkerung hatte seine Ursache
darin, dass die nicht hoferbenden Bauernkinder und vor allem die Landarbeiter in die Städte des Ruhrgebiets abwanderten, wo sie als Industriearbeiter mehr verdienten und bessere
Arbeitsbedingungen hatten. In der jüngsten Vergangenheit hat ein Zuzug stattgefunden, der zur Verdichtung des Kernortes führte. Die Einwohenrzahl hält sich daher heute mit 278 Personen
relativ konstant.
Schon vor 1851 hat es in Recklingsen eine Brandwehr mit Feuerspritze und Bedienungsmannschaften gegeben. Feuerwehr und Schützenverein prägen gegenwärtig das kulturelle Leben unseres
Dorfes.
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