Die Bezeichnung "Kirchwelver" ist tatsächlich erst im 19. Jahrhundert entstanden. Als nämlich 1850 die Eisenbahnlinie Hamm-Soest und 26 Jahre später die Strecke Dortmund-Soest in Betrieb genommen wurden, nannte sich die politische Gemeinde des Kirchdorfs nun "Kirchwelver", um sich deutlicher vom "Bahnhof Welver" zu unterscheiden, dessen Gesamtbereich zu Meyerich gehörte.
Das Dörfchen, an der nordöstlichen Spitze des Zentralorts gelegen, ist vom größten zusammenhängenden Waldgebiet der Soester Börde umgeben. Schlendert der Besucher durch die schmalen Gassen, entlang der Fachwerkhäuser, vorbei an den beiden Kirchen, längs der liebevoll gepflegten Gärten, dann begleitet ihn das Rauschen des Waldes auf seinem Weg. Den Kirchwelveranern ist dies längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Ebenso wie es für sie selbstverständlich ist, auf historischem Boden zu leben. Dabei ist der Ursprung der Besiedelung Kirchwelvers immer noch nicht definitiv geklärt. Wahrscheinlich hat bereits weit vor dem 12. Jahrhundert ein edles Geschlecht hier eine Stammburg besessen. Die Edelherren von Welver wohnten auf der "Welvereburg", wie sie in verschiedenen Urkunden genannt wird. Sie lag im Bereich des heutigen Klosterhofs und Klostergartens und wird vermutlich schon damals von einem der hier noch vorhandenen Gräften und Teiche schützend umgeben worden sein. Wikbold von Welver war offensichtlich der letzte männliche Vertreter des Edelherrengeschlechts. Seine Tochter hat vermutlich den Soester Vogt Eberhard (1178-1210) geheiratet. Auf diese Weise gelangte die Welvereburg und das Patronat über die Kirche an die Soester Vögte, deren letzter, Vogt Walther, 1240 den Grundstein zur Errichtung eines Zisterzienserinnen-Klosters legte, indem er und seine Gemahlin Sophia ihre Güter in Welver, Klotingen und Scheidingen an das Kloster Ramsdorf übertrugen. Von Ramsdorf aus gründeten die Nonnen in Welver ein neues Kloster ihres Ordens, das Erzbischof Konrad 1242 bestätigte. Die Geschichte Kirchwelvers ist eng verknüpft mit der Geschichte des Klosters. Erste Äbtissin war Helika, die Schwester des Vogts Walther. Viele Schenkungen verschafften dem Kloster großen Reichtum. Im Bördekataster von 1685 werden insgesamt 51 Höfe aus der näheren Umgebung als Klostereigentum angegeben.
Während die Stadt Soest sich 1531 zur Lehre Luthers bekannte, blieben die Verhältnisse in Welver für lange Zeit verworren. Das Kloster blieb katholisch, die St. Albanus-und-Cyriakus-Kirche wurde der evangelischen Gemeinde unterstellt.
Die Äbtissin Maria-Elisabeth von Aldebruck ließ 1697-1700 eine neue Kirche dicht neben der alten bauen, die nach Bernhard von Clairvaux benannt wurde. Das Wappen der Äbtissin befindet sich immer noch über dem Säulenportal des alten Klostergebäudes. Auch dieses Gebäude ist unter der Regie von Maria-Elisabeth von Aldebruck entstanden. Der Besucher Kirchwelvers erhält auch heute noch einen Eindruck von der früheren Größe und Macht des Zisterzienserinnen-Klosters, sind doch die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude aus jener Zeit zum weitaus größten Teil erhalten. Nach fast 570-jährigem Bestehen wurde das Kloster 1809 schließlich aufgelöst. Zwei Jahre zuvor hatte der Klosterkonvent auf Anregung des Klosterorganisten Bernhard Honcamp in aller Form eine katholische Pfarrgemeinde gestiftet, zu der auch die von ihm geleitete Schule im Back- und Brauhaus des Klosters gehörte. An das über 60-jährige Wirken Honcamps als Erzieher und Musikfreund erinnert der Grabstein Honcamps auf dem katholischen Friedhof sowie ein Honcamp-Denkmal an der Bernhard-Honkamp-Grundschule.
Das 1711 erbaute Back- und Brauhaus des ehemaligen Klosters dient heute dem Heimatverein als Heimathaus. Die heimatkundliche Sammlung in dem historischen Gebäude ist Anziehungspunkt für viele Besucher geworden.