Seinen Ruf als flächenmäßig kleinste Gemeinde im Kreis Soest büßte Blumroth bereits ein, als die 650 Morgen zwischen Meckingsen und Stocklarn Ende der 60er Jahre der neuen Großgemeinde Welver zugeschlagen wurden. Seither ist die früher eigenständige Gemeinde zu einem "Ortsteil" von Welver geworden. Doch diese Bindung existiert wohl mehr auf dem Papier. Eigentlich führen die Blumrother nach wie vor ein Eigenleben. Und sie fühlen sich ziemlich wohl dabei. Nur ab und zu dringt der Lärm der "großen weiten Welt" auch bis ins entlegene Blumroth. Wenn etwa die Flugzeuge vor der Landung auf dem Flughafen Münster/Osnabrück über dem Blumrother Oberdorf in die Einflugschneise einbiegen, wenn Autofahrer aus Soest nach Stocklarn wollen und dabei mitten durch Blumroth rauschen, oder wenn sich am Wochenende der eine oder andere motorisierte Ausflügler aus der Stadt am Wochenende "Landleben live" ansehen möchte. Schließlich ist das 52-Seelen-Dörfchen unweit des Frohnholzes als hübsches Fleckchen weithin bekannt. In früheren Zeiten, als die Wiesen und Äcker noch mit Heide und niedrigem Buschwerk bewachsen waren, muss die Gegend gerade zur Blütezeit der Heide ein besonderer Anziehungspunkt gewesen sein. Doch selbst wenn heutzutage zuweilen Besucher in Blumroth Station machen, können auch sie das Idyll kaum stören. Im "Heide-Dorf" ist die Welt noch in Ordnung.
Den historischen Kern Blumroths bildet das heutige Oberdorf. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts beherrschten die vier, innerhalb einer kreisrunden Gräfte gelegenen Höfe Maas, Klauke, Dierks und der Blumerhof das Bild des Ortes. Der Klauken- und Dierkshof wurden im Verlauf der Jahrzehnte verkleinert. Aus ihnen entstanden vier kleinere Höfe, die mit dem Maashof und dem Blumerhof noch heute das Oberdorf bilden.
Seinen Namen hat das Dorf offensichtlich vom Blumerhof bekommen, der im Verlauf seiner Geschichte wechselvolle Schicksale erlebte. Hier lebte auch der 1913 verstorbene Emil Bimberg, der weit über die Grenzen Blumroths bekannt war. Noch heute erzählt man sich im Dorf, dass der Weltenbummler Emil Bimberg schon Ende des vergangenen Jahrhunderts in Ägypten unterwegs war. Der Junggeselle sorgte in seiner Heimat auch für Aufsehen, als er sich als Erster im Kreis Soest ein Automobil anschaffte. Bis heute hat sich Emil Bimberg durch seine beiden Bücher "Es war einmal" und "Ein freudig Herz", die er beide seiner Heimat widmete, in Erinnerung gehalten.
Durch neue Rodungen im 18. Jahrhundert wurden weitere Ansiedlungen im Unterdorf ermöglicht, das dem Frohnholz zugewandt ist. Die Wiesen, die zwischen dem Unterdorf und diesem Wäldchen gelegen sind, werden noch heute "Heide" genannt. Zur Zeit der ersten Rodungen muss das ganze Blumrother Land wohl mit Heide und niedrigem Buschwerk bewachsen gewesen sein. Auch in der Namensgebung haben die umfangreichen Rodungen früherer Jahrhunderte ihren Niederschlag gefunden. Die Endsilbe "roth" bedeutet "roden".
Die Landwirtschaft beherrscht das Bild des Dorfes. In fünf Vollerwerbs- und zwei Nebenerwerbsbetrieben wird Ackerbau und Viehzucht betrieben. Und so dreht sich natürlich auch das Dorfgespräch häufig um landwirtschaftliche Themen, um das Wetter etwa, um den Nachwuchs im Stall, um die Milch- und Getreidepreise oder um die Fledermäuse. Diese selten gewordenenen Tiere leben noch heute in einigen Speichern des Oberdorfes.
Das Blumrother Vereinsleben ist heute fast ausnahmslos nach Borgeln orientiert. Nur die vier Feuerwehrleute sind Mitglied in der Löschgruppe Stocklarn/Blumroth. Das 52-Seelen-Dorf gehört genau wie Stocklarn zur Evangelischen Kirchengemeinde Borgeln. Wenngleich normalerweise die Blumrother Gemeindemitglieder in die drei Kilometer entfernte Pfarrkirche gehen, so lässt sich doch der Pfarrer auch regelmäßig im entlegensten Teil seines Kirchspiel sehen. Der Pastor ist bei den Blumrother Familien ein gerngesehener Gast.
Zwar gibt es keine eigenen Vereine am Ort, doch sorgen die Blumrother dafür, dass mit regelmäßigen Veranstaltungen auch das Dorfleben den notwendigen Zusammenhalt erfährt. So wird etwa regelmäßig eine Woche vor dem Borgeler Schützenfest das "Laubfest" gefeiert. Hier bestimmen die Blumrother ihren eigenen "König". Zum gemütlichen Fest ist auch das Erntedankfest geworden.
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